Der Qualitätsweg Spessartweg 1 – Etappe 1

Quer durch den Spessart verlaufen drei mehrtägige Wanderwege, die jeweils eine Länge von ca. 60km haben: Spessartweg 1, 2 und 3. Sie stehen schon länger auf meiner Wander-Bucket-List und nun war es endlich so weit, das Projekt Spessartweg in Angriff zu nehmen: in Aschaffenburg startete ich den Qualitätsweg Spessartweg 1 mit Etappe 1, die mich auf 18,5km nach Waldaschaff führte.

Ich hatte übrigens nicht mit dem Spessartweg 1 begonnen, weil es der erste ist. Nein, die Wahl hat mir schlicht die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr abgenommen. Die einzelnen Etappen des Spessartweg 1 sind nämlich für mich aus Würzburg relativ einfach zu erreichen. Aber auch aus Richtung Frankfurt sind die einzelnen Etappenstart-/endpunkte super angebunden. Achtung: an Sonntagen sind die Verbindungen leider weniger optimal.

Spessartweg 1 – Etappe 1 von Aschaffenburg nach Waldaschaff

Überblick über den Spessartweg 1 und Etappeneinteilung

Die Spessartwege 1 und 2 haben bereits die Zertifizierung als Qualitätswege Wanderbares Deutschland erhalten und das jüngste Mitglied der Familie – der Spessartweg 3 – wird sicher bald folgen. Doch nicht nur die Wanderwege können sich mit der Auszeichnung schmücken, sondern die gesamte Wanderregion des Räuberlands wurde als Qualitätsregion zertifiziert.

Der Spessartweg 1 ist offiziell 62,5km lang und führt von Aschaffenburg nach Lohr am Main. Er wird normalerweise in drei Etappen aufgeteilt, doch die Etappenlängen sind sehr unterschiedlich.

Wie meistens habe ich mich zwar an der offiziellen Einteilungen orientiert, aber letztendlich meine eigenen Etappen zusammengestellt. Neben ähnlichen Distanzen haben sie auch für mich ideale Anbindung an den ÖPNV.

Spessartweg 1

Meine Etappenplanung inkl. der Zuwege zu Bus und Bahn:

  • Aschaffenburg, Bahnhof – Waldaschaff, Haltestelle Clonakilty (ca. 19km)
  • Waldaschaff, Haltestelle Brücke – Lohr am Main, Bahnhof (ca. 26km)
  • Lohr am Main, Bahnhof – Gemünden, Bahnhof (ca. 24km)

Hier geht es zu Etappe 2 des Spessartweg 1

Wandern durch das Räuberland

Die Bezeichnung des Spessarts als „Räuberland“ stammt von den zahlreichen Vagabunden, die in längst vergangenen Zeiten durch die Wälder des Spessarts steiften. Nicht alle wollten Passanten etwas Böses. Viele zogen aus beruflichen Gründen durch das Land, um in den Dörfern des Spessarts ihre Dienste als Kesselflicker, Schleifer o. ä. anzubieten. Doch es waren auch durchaus Diebe dabei, die Reisenden in Hinterhalten auflauerten. Und offensichtlich gab es genügend von ihnen, um den Menschen bis heute in Erinnerung zu bleiben.

Heute braucht man die Wälder des Spessarts nicht mehr zu fürchten und eine vorbildliche Markierung der einzelnen Wanderwege lädt Outdoorfans ein, die Region zu Fuß zu erkunden.

Spessartweg 1 Etappe 1

Meine Wanderung auf dem Spessartweg 1 – Etappe 1

Von Aschaffenburg ins Grüne

An einem Dienstagmorgen fuhr ich mit dem Zug nach Aschaffenburg. Der Spessartweg 1 ist angeblich ab dem Bahnhof markiert, aber ich gebe zu, dass ich mich im städtischen Trubel und dem unvermeidbaren Schilder-und Aufkleber-Wirrwarr grundsätzlich eher auf die Tourdaten auf meinem Handy verlasse.

Schnell war die grüne Lunge der Stadt erreicht: erst das Offene Schöntal, das mich entfernt an Unter den Linden in Berlin erinnerte, und kurz darauf die Parkanlage Schöntal. Ehrlichgesagt ging es mir ein bisschen ZU schnell, denn ich hätte gerne das Schloss Johannisburg besucht. Aber das hätte ich mir zweifellos früher überlegen sollen.

Die Magnolien begannen gerade zu blühen und der Wasserlauf im hinteren Bereich der Parkanlage ließ mich einen Moment verweilen. Hier schaute ich mich erstmals nach der Wegmarkierung um und entdeckte sie sofort neben dem Weg. Dank der hohen Dichte an Schildern ist es einzig meiner Neugier geschuldet, dass ich oft weit vor Wegkreuzungen einen Blick auf das Handy warf. Notwendig war das aber eigentlich zu keiner Zeit.

Spessartweg 1 Etappe 1

Einen überquerten Kreisverkehr weiter wartete die Großmutterwiese mit dem König Ludwig Denkmal auf mich und über die 140m breite Grünbrücke über den Stadtring erreichte ich die Fasanerie. In dem waldähnlichen Naherholungsgebiet liegt der offizielle Startpunkt des Spessartweg 1 und eine große Tafel neben dem Forsthaus bietet einen Überblick über den gut 60km langen Wanderweg.

Spessartweg 1 Etappe 1

Die Bäume um den Fasaneriesee und die anschließende Wiese waren noch vom Raureif der vergangenen Nacht überzogen und morgendlicher Nebel begrenzte die Sicht. Entlang des Stadtrands führte der Weg durch den Wald hinauf zur Teufelskanzel, einem Aussichtspunkt, der unter normalen Umständen sicher einen schönen Weitblick gewährt hätte. Leider endete die Sicht viel zu früh im Nebel. Und auch wenige Meter weiter an einem kleinen Aussichtsturm konnte von „Aussicht“ keine Rede sein. Schade.

Die Teufelskanzel mit Blick in den morgendlichen Nebel

Im Wald und unter Schafen

Es folgte ein schöner Abschnitt im Wald. Der gleichmäßige Takt meiner Schritte wurde immer wieder vom unregelmäßigen Hämmern der Spechte gestört, die auch die Wegmarkierung der Spessartwege zieren. Einmal konnte ich einen großen Schwarzspecht entdecken. Ich wusste schon vorher, dass die extreme Fluchtdistanz der scheuen Vögel kein Foto erlauben würde. Trotzdem probierte ich mein Glück, aber das war hoffnungslos 🙁

Spessartweg 1 Etappe 1
Raststamm statt Rastbank

Ich erreichte den Ort Haibach, den ich jedoch nur am Rand streifte. Am Friedhof erregte das „Hohe Kreuz“ meine Aufmerksamkeit, das ähnlich einem Gipfelkreuz auf einem Felsblock thront. Es wurde 1844 zunächst als Aussichtspunkt geplant, doch zu seinen Füßen befindet sich inzwischen der Soldatenfriedhof.

Kurz darauf kam ich zu den Überresten der Ketzelburg, einem mittelalterlichen Burgstall, der direkt am Ortsrand liegt. Der Straße folgend ging es stetig bergauf weiter, bis erneut der Wald erreicht war. Ehrlichgesagt fand ich diesem Abschnitt nicht so schön, da viel Bruch zwischen den Nadelbäumen herumlag. Ob es sich um Sturmschäden, Altersschwäche oder Forstarbeiten handelte, war nicht immer auszumachen.

Wenige hundert Meter nach dem Waldrand erreichte ich das Kloster Schmerlenbach. Ich warf nur einen kurzen Blick durch das große Tor auf die Anlage. Es sah recht schön aus. Und sehr lustig fand ich die Friedensherde, eine Herde blauer Schafe, die auf einer Rasenfläche stand.

Abstecher in die Vergangenheit und Panoramastrecke nach Waldaschaff

Nach der Durchquerung der kleinen Ortschaft ging es mal wieder bergauf. Doch es lohnte sich, da die Aussicht über die weiten Hügel und geschwungenen Felder super war. Ich gönnte mir eine Pause und genoss den Weitblick.

Spessartweg 1 Etappe 1

Nach dem Anstieg führte der Weg wieder schnurgerade bergab zum Hofgut Unterbessenbach. Das prachtvolle Herrenhaus erregte als erstes meine Aufmerksamkeit. Es stand inmitten eines großen, parkähnlichen Gartens und bot einen herrlichen Anblick. Leider haben Hecken und Bäume keine wirklich schönes Foto ermöglicht.

Das anschließende Miniörtchen des Guts erinnerte an eine längst vergangene Zeit und einzig die Briefkästen und wenigen Autos enttarnten die Gegenwart.

Spessartweg 1 Etappe 1

Auf der anderen Seite der A3 ging es erneut im Wald weiter. Die anfänglichen Nadelbäume entlang des Gogelgrabens wechselten nach und nach in einen Mischwald, der hauptsächlich aus Buchen und Eichen bestand. Gelegentlich bot sich am Waldrand ein herrlicher Blick ins Tal.

Auf diesem Abschnitt begegnete ich einer Handvoll Wanderern – die ersten auf meiner Strecke. Aber an einem Dienstag hatte ich trotz schönen Wetters auch nicht mit vielen Wanderern gerechnet.

Es folgte ein schöner Panoramaweg entlang des Waldrands. Herrlich verwachsene und krumme Bäume säumten den Weg und rechts von mir lag das Tal mit meinem Ziel Waldaschaff. Oberhalb des Orts traf ich auf die Markierung des Spessartweg 2, der hier den Spessartweg 1 kreuzt.

Dann bog ich vom Weg ab und marschierte zu meiner Bushaltestelle im Ort. Ich war schneller gewandert, als ich erwartet hatte und konnte für meine Heimfahrt nach Würzburg sogar einen Zug früher nehmen als geplant.

Spessartweg 1 Etappe 1
Spessartweg 1 Etappe 1

Spessartweg 1 – Etappe 1 von Aschaffenburg nach Waldaschaff auf Komoot

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Spessartweg 1 Etappe 1
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Dieser Artikel enthält keine bezahlte Werbung und es bestanden keine Kooperationen. Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht, der auf meiner eigenen, ehrlichen Meinung beruht.




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