Die schönsten Hutewälder in Hessen

Hutewälder sind phantastische Orte, die zum Staunen und Träumen anregen. Die alten Baumriesen mit ihren verwachsenen Ästen, dicken Stämmen und der teils aufgerissenen Borke versetzen Besucher in eine Kulisse, die aus einem Fantasy-Film á la Herr der Ringe stammen könnte. Die Hutewälder in Hessen zählen zu den schönsten und bekanntesten. Und diese mystischen Baumreiche sind auf einfachen Wanderwegen zu erreichen.

Hutewälder in Hessen – Wege zu den Baumriesen

Im Norden Hessens gibt es die meisten noch erhaltenen Hutewälder Deutschlands. Sie liegen vor allem im Reinhardswald und dem Kellerwald und stehen wegen ihrer Bedeutung für viele gefährdete Arten meist unter Naturschutz.

Die Region Nordhessen ist ein herrliches Wandergebiet mit einem riesigen Wegenetz. Die Wanderwege sind – soweit ich das beurteilen kann – vorbildlich markiert und bis auf wenige Ausnahmen sehr gepflegt. Weiter unten findest du einige Wanderungen, die mich zu den Hutewäldern in Hessen geführt haben.

Hutewälder in Hessen

Was sind Hutewälder?

Der Name Hute stammt von „hüten“, da das unübersichtliche Gelände des Walds, in dem vor allem Schweine und Rinder weideten, immer auch einen Hirten erforderte.

Die Geschichte der Hutung geht bis in die Antike zurück und hatte ihren Höhepunkt etwa im 16. Jahrhundert. Der Wert eines Walds richtete sich damals nach der Anzahl der Schweine, die man in ihm mästen konnte (die sog. Waldmast). Daher bestanden Hutewälder vor allem aus fruchttragenden Bäumen wie Eichen und Buchen.

Die Tiere verschmähten aber auch junge Triebe und Bäume nicht und hielten durch den Verbiss das Unterholz gering. So konnten die Hutebäume mangels junger Konkurrenz eine stattliche Größe erreichen. Eine klare Win-Win-Situation, denn dadurch trugen sie in den folgenden Jahren immer mehr Früchte und der Wert des Hutewalds erhöhte sich.

Hutewälder in Hessen
Hutewald Halloh

Ab dem 17. Jahrhundert endete diese Art der Viehweidung langsam wegen einer zunehmenden Holznot. Die Nutzung der Wälder veränderte sich deutlich in Richtung Holzwirtschaft und viele der lichten Hutewälder mussten einer massiven Aufforstung weichen.

Heute gibt es nur noch wenige Hutewälder, doch in ihnen finden sich wahre Methusalems mit einem Alter von angeblich bis zu 600 Jahren. Manche Quellen sprechen sogar von 800 Jahren. Der Anteil an Totholz in den Wäldern ist hoch und bietet vielen, teils gefährdeten Arten ein Zuhause. Daher stehen heute viele der verbliebenen Wald-Relikte unter Naturschutz.

Wanderwege zu Hutewäldern in Hessen

Urwald Sababurg

Der Urwald Sababurg im Reinhardswald war Mitte 2020 mein erster Wald mit Hutebäumen, den ich besuchte. Schon lange zuvor verband ich mit dem klangvollen Namen S-A-B-A-B-U-R-G eine märchenhafte Vorstellung von mächtigen Bäumen, deren Größe und Alter mich allein bei dem Gedanken daran demütig machten.

Aber bei dem Namen schwang vielleicht noch etwas anderes mit, das zwar nicht direkt etwas mit den Bäumen zu tun hat, aber eine Verbindung mit sagenhaften Geschichten nährte: nahe dem Hutewald liegt die Sababurg, die auch als Dornröschenschloss bekannt ist. Was passt besser zu einem Märchen, als die geheimnisvolle Kulisse eines Walds aus Baumriesen?

Der alte Hutewald ist längst nicht mehr so licht, wie er zweifellos zu Zeiten seiner aktiven Nutzung war. Doch die mächtigen, uralten Bäume ragen trotzdem unübersehbar über die andere Vegetation hinaus. Ihre Stämme sind unglaublich dick und knorrig. Jeder Baum gleicht einem Monument – einem Denkmal für die ungenutzten oder zumindest extensiv genutzten Wälder der Vergangenheit.

Urwald Sababurg
Urwald Sababurg
Urwald Sababurg

Mehr zu dem Wald findest du in meinem Artikel Baumriesen im Urwald Sababurg.

Die nachfolgende Tour führt nur zu den großen Hutebäumen und war für mich vor allem eine Fotorunde. In dem Artikel findest du auch eine längere Runde, die den Wald ebenfalls einschließt.

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Hutewald Halloh

Lange Zeit war der Urwald Sababurg für mich das Nonplusultra der Hutewälder… sowohl vor meinem Besuch dort, als auch danach. Der Grund dafür waren die wenigen, aber wirklich beeindruckenden Baumriesen.

Doch dann führte mich ein Wanderweg zum Hutewald Halloh nahe dem Nationalpark Kellerwald-Edersee und ich war überwältigt von der unglaublichen Anzahl an Hutebäumen. Ihr Alter liegt mit etwa 200-300 Jahren deutlich unter dem der Sababurg-Bäume, aber sie sind nicht weniger imposant.

Ihre grotesk verschlungenen Äste unterscheiden sich deutlich von der geraden Wuchsform in unseren heutigen Nutzwäldern und die dicke Borke ist durchsetzt mit wulstigen Rissen, Furchen und den Narben abgebrochener Äste. Teils überziehen mächtige Wurzeln den Boden und ihr Bewuchs aus leuchtend grünem Moos zaubert ein kunstvolles Geflecht um die dicken Stämme herum.

Hutewälder in Hessen
Hutewälder in Hessen
Hutewälder in Hessen

Einzelne Bäume scheinen nur noch auf ihrer Rinde zu stehen, während das Kernholz komplett verschwunden ist. Trotzdem sorgt ihr dichtes Blätterdach für ein schattiges Plätzchen, um die Atmosphäre in Ruhe zu genießen. Für mich einer der schönsten Hutewälder in Hessen!

Die Wanderung zum Hutewald Halloh startete direkt an der Unterkunft in Reinhardshausen, das an den Kurort Bad Wildungen grenzt. Ein Beginn der Tour im Kurpark von Reinhardshausen oder dem Parkplatz am Abzweig nach Albertshausen ist aber auch möglich.

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Hutewald Basdorf

Der Hutewald in Basdorf lag auf einer Wanderung, die vor allem den Knorreichensteig am Nordufer des Edersees einschließen sollte. Denn über diesen Abschnitt des Urwaldsteigs, der auf 68km rund um den See verläuft, hatte ich schon einiges gelesen. Ich fand die Kombination mit dem Hutewald recht passend, aber er überraschte mich auf eine vollkommen unerwartete Weise.

Der Weg führte auf einem teils schmalen Pfad oberhalb des Stausees entlang. Bei den Bäumen entlang der Strecke handelte es sich keineswegs immer um Eichen, aber knorrig waren sie fast alle. Ihre bizarre Wuchsform schien eine Folge ihres Balanceakts auf den steilen Hängen zu sein, die im weiteren Verlauf in ein Moos und Flechten überzogenes Geröllfeld übergingen.

Hutewälder in Hessen
Hutewälder in Hessen

Als der Weg vom Urwaldsteig abzweigte, war bald der Hutewald bei Basdorf erreicht. Ich hatte knorrige, dicke Bäume erwartet… aber stattdessen ich wurde von einem grunzenden Schwein empfangen. Ein eingezäunter Hutewald, der noch genutzt wird? Damit hatte ich nicht gerechnet! 🙂

Das neugierige Tier mit seinen dunklen Flecken wippte lustig mit deiner Steckdosen-Nase und ließ sich dann genüsslich in den Matsch neben der Tränke fallen. Inzwischen hatten noch weitere Schweine den großen Unterstand verlassen und nahmen nur kurz Notiz von dem sprachlosen Besuch am Zaun.

Lange beobachtete ich die Tiere, die zweifellos zu den glücklichsten Schweinen Deutschlands zählen. Sie waren längst nicht so fett wie andere Schweine, sondern eher drahtig muskulös. Ihr Domizil ist weitläufig und während ein Tier freudig im hauseigenen Pool plantschte, schaute mich ein anderes Schwein scheinbar lächelnd aus der großen Tränke an.

Hutewälder in Hessen
Hutewälder in Hessen

Die Kombination aus verwachsenen Bäumen auf dem ersten Abschnitt und einem ursprünglich genutzten Hutewald war ein Erlebnis!

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Hutewald Rengshausen/Knüllwald

Der Hutewald Rengshausen liegt an einem Premiumweg. Diese Zertifizierung war für mich bisher immer ein Qualitätsmerkmal… bis ich den sog. Hutewaldweg gewandert bin. Der Wald ist sehr schön, der Weg leider nicht. Aber wenn du dir den Hutewald anschauen möchtest, kannst du ja eine eigene Route dorthin zusammenstellen 😉

Das erste Stück des offiziellen Wegs vom Wanderparkplatz bei Rengshausen hat das Prädikat „Premium“ noch verdient. Es hatte am Vortag leider stark geregnet und der Weg war extrem matschig, aber bei trockenem Wetter wäre es eine sehr schöne Strecke gewesen.

Nach etwa einem Kilometer wird ein Aussichtspunkt erreicht und kurz nach einer abenteuerlichen Brücke im Wald beginnt der Hutewald.

Der erste Teil der Bäume steht teils direkt am Weg und bietet einige schöne Fotomotive. Der zweite Teil des Walds ist eingezäunt, um ihn in seinem ursprünglichen Zustand zu erhalten. Es waren zwar keine Tiere zu sehen, aber zweifellos sorgen hier irgendwelche Weidetiere für den geringen Anteil an Unterholz rund um die vielen alten Hutebäume.

Hutewälder in Hessen
Hutewälder in Hessen

Am Ende des eingezäunten Abschnitt wartet dann noch ein besonderes Highlight: graue Wildpferde, die inmitten des herrlichen Hutewalds eine sehr schöne, abgeteilte Weide haben.

Hutewälder in Hessen

Der anschließende Weg auf dem Premiumweg ist dann aus meiner Sicht leider nicht mehr empfehlenswert. Einige Abschnitte führen über breite „Waldautobahnen“, die von dichtem und teils hohem Gras bedeckt sind. Entlang dieser breiten Einschnitte in den Wald stehen zahlreiche Hochstände, mit denen sicher die Massen an Wildschweinen kontrolliert werden sollen, die den Weg zerwühlen. Die Spuren der Tiere haben aber nichts mit meiner mangelnden Begeisterung für den Weg zu tun.

Ein eher schmaler Wegabschnitt mit den deutlichen Spuren von Wildschweinen

Wie gesagt: das erste Stück ist schön und für das zweite finden sich sicher bessere Wegalternativen 😉 Ich habe meine Wanderung bewusst nicht auf Komoot veröffentlicht. Aber wenn du mehr Informationen dazu haben möchtest, findest du sie z. B. auf der Seite von Hessen Tourismus.

Kennst du noch andere Hutewälder in Hessen – oder anderen Regionen Deutschlands -, die du empfehlen kannst? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar mit deinem Tipp 🙂

Hutewälder in Hessen

Dieser Artikel enthält keine bezahlte Werbung und es bestanden keine Kooperationen. Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht, der auf meiner eigenen, ehrlichen Meinung beruht.




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2 Gedanken zu „Die schönsten Hutewälder in Hessen“

  1. Wunder-prächtige Aufnahmen, liebe Verena.
    Wie bescheiden muten sich da „meine“ Hutebuchen in den „schwarzen Bergen“ nahe dem Lösershag-Urwald an …
    Dein Bericht, gespickt mit einladenden Blickpunkten, inspiriert und macht SEHsucht – DANKE 🙂

    Antworten
    • Lieber Gottfried,

      es freut mich, dass ich deine Sehnsucht wecken konnte. Vielleicht dein nächstes Reiseziel? 😉

      Bei dir in der Ecke war ich vor Jahren auch mal wandern. Ich erinnere mich noch gut, dass ich damals einmal falsch abgebogen bin und es zu spät gemerkt habe. So habe ich vermutlich auch die Hutebuchen verpasst 🙁 Seit ich Komoot nutze, passiert mir das nur noch gaaanz selten 😉 Ich hoffe also auf den nächsten Besuch in den schwarzen Bergen 🙂

      Liebe Grüße

      Verena

      Antworten

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